Die tadellose Funktion unserer Hände ist für uns selbstverständlich und erst die Gebrauchsunfähigkeit unserer Hand in Folge einer Erkrankung oder eines Unfalls macht uns den Stellenwert dieses zentralen Körperteils bewußt.
Hierzu einige Fakten:
- Mindestens jeder 3. Patient der im Notfall einer chirurgischen Klinik behandelt wird hat eine Handverletzung. (ca. 150000 Handverletzungen in der Schweiz / Jahr)
- In der Schweiz verursachen Handverletzungen ca. 130000 Arbeitsunfähigkeitstage /Jahr und 18000 Spitaltage
- Die Spaltung des Karpaltunnels beim sogenannten Karpaltunnelsyndrom (siehe unten) ist die weltweit am häufigsten durchgeführte Operation.
Qualifikation des Handchirurgen
Der komplexe Bauplan der Hand mit den dicht beieinanderliegenden Feinstrukturen wie Sehnen, Nerven und Gefäßen, macht eingehende anatomische Kenntnisse und die Fähigkeit speziell gewebeschonender Operationstechniken sowie mikrochirurgischer Operationstechniken notwendig. Ebenso ist ein besonderes funktionelles Verständnis Vorraussetzung um eine entsprechende Nachbehandlung fachgerecht durchzuführen. Die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten werden im Rahmen einer 3 jährigen Weiterbildung an speziell ausgewiesenen Weiterbildungsstätten vermittelt . Vorraussetzung ist ein Facharzttitel für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie, Kinderchirurgie oder Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Nach Abschluss dieser Weiterbildung ist man berechtigt den Titel Facharzt (FMH) Handchirurgie zu tragen.
So finden Sie Ihren Handchirurgen
Die Liste der ordentlichen Mitglieder der SGH beinhaltet Spezialärzte FMH mit Schwerpunkttitel Handchirurgie.
Zur Handchirurgie gehören
Alle Störungen, welche die Funktion der Hand betreffen sowie Störungen jeglicher Art welche Sehnen, Gefäße und Nerven in Arm oder Schulter betreffen die zur Hand führen.
- Akute Verletzungen (Die Hand ist bei 40% aller Unfälle betroffen.)
- Verletzungsfolgen
- Angeborene Fehlbildungen
- Nervenchirurgie
- Rheumatische Erkrankungen
- Tumorchirurgie
Beispiele häufiger Handchirurgischer Erkrankungen
Karpaltunnelsyndrom
Gehört zu den Nervenengpasssyndromen. Der Karpalkanal im Bereich des Handgelenks gelegen, beinhaltet die Beugesehnen sowie den wichtigsten Nerv der Hand, den sogenannten Nervus medianus und wird bedeckt von einem sehnenartigen Gewebe. Der Nervus medianus versorgt die Muskulatur des Daumenballens und das Gefühl des Daumens des Zeigefingers des Mittelfingers und eines Teils des Ringfingers. Kommt es nun innerhalb dieses Kanals zu einer Einengung des Nervs, so führt dies in der Regel vor allem nachts zum Einschlafen der Finger, zu einer Schwäche in der betroffenen Hand und im Laufe der Zeit zu einem Gefühlsverlust in den Fingern und zu einem Muskelschwund am Daumenballen. Beim Versagen der medikamentösen Therapie und der Schienenbehandlung hat die operative Erweiterung des Karpalkanals ihren festen Stellenwert. Dabei wird das sehnenartige Gewebe, das den Kanal bedeckt, gespalten um Platz für den Nerv zu schaffen. Dazu stehen heute zwei verschiedene operative Verfahren zur Verfügung. 1. die offene Spaltung und 2. die Spaltung in Spiegeltechnik (Endoskopische Spaltung) Die Wahl des Verfahrens sollte vom Operateur von den Gegebenheiten (bereits einmal voroperiert, Ausprägung des Befunds...) abhängig gemacht werden.
Morbus Dupuytren
Ist eine Erkrankung des unter der Haut liegenden Gewebes im Bereich der Handinnenfläche. Narbenartiges Gewebe bzw. Stränge können sich bis in die Finger ausdehnen und dazu führen, dass es zu Bewegungseinschränkungen kommt und dass die Finger in die Beugung gezogen werden. Eine Ursache hierfür ist nicht bekannt. Die operative Entfernung dieser narbenartigen Stränge ist bisher die einzige Therapie der Erkrankung.
Schnellender Finger
Das schmerzhafte Schnappen eines oder mehrer Finger beim Beugen oder Strecken oder das Blockieren eines Fingers sind Ausdruck einer entzündlichen Veränderung im Bereich des Beugesehnengleitgewebes. Diese führt zu einer Verdickung des Gewebes um die Beugesehne und diese bleibt dann unter den Führungsschienen der Beugesehnen, den sogenannten Ringbändern, im Bereich der Handinnenflächen hängen. Zunächst sollte eine medikamentöse Therapie versucht werden, versagt diese, so ist die operative Spaltung des Ringbandes im Bereich der Handinnenfläche die Therapie der Wahl.